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Kurzsichtigkeit bei Kindern – Prophylaxe der Myopie-Progression

Kurzsichtigkeit oder Myopie ist eine angeborene oder erworbene Fehlsichtigkeit des Auges. Bei Kindern, die unter Kurzsichtigkeit leiden, ist der Augapfel zu lang. Dadurch liegt der Brennpunkt des Auges nicht genau auf der Netzhaut, sondern davor. Beim Kind sowie auch beim Erwachsenen entsteht dadurch ein unscharfes Bild auf der Netzhaut. Objekte in der Nähe sind klar erkennbar, Gegenstände die weiter weg sind, werden mit zunehmender Entfernung jedoch immer unschärfer.

In welchem Lebensalter entsteht Kurzsichtigkeit?

Die meisten Kinder sind bis zum Ende des Kindergartens normalsichtig oder leicht weitsichtig. Häufig beginnt die Kurzsichtigkeit bei Kindern nach dem Schulbeginn zwischen dem 6. bis 15. Lebensjahr. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „Schulmyopie“. Zum Ende der Grundschulzeit sind in Deutschland aktuell ca. 15% aller Kinder kurzsichtig.

Welche Arten von Kurzsichtigkeit gibt es?

Im Kindesalter wird in 90% der Fälle eine Achsenmyopie diagnostiziert. Hierbei ist der Augapfel genetisch bedingt verlängert, der Brennpunkt des Auges liegt zu weit vorne. Da sich die Symptome meistens im schulpflichtigen Alter bemerkbar machen, spricht man in diesem Zusammenhang oft auch von einer Schulmyopie.

Deutlich weniger verbreitet ist die Brechungsmyopie. Die Länge des Augapfels ist normal, die Brechkraft der Hornhaut und Linse sind jedoch zu stark. Auch hier liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut und es wird ein unscharfes Bild erzeugt.

Je früher die Kurzsichtigkeit bei Kindern beginnt, desto höher sind die erreichten Endwerte im Erwachsenenalter. Die Wahrscheinlichkeit für ein Kind kurzsichtig zu werden, steigt auch mit der Anzahl der kurzsichtigen Eltern. Es kommt jedoch auch häufig vor, dass Kinder kurzsichtig sind, obwohl keine familiäre Prädisposition vorliegt. Hier können insbesondere Umweltfaktoren und Lifestyle des Kindes eine große Rolle spielen.

Ist Kurzsichtigkeit gefährlich?

Je höher die Kurzsichtigkeit, umso länger ist das Auge und entsprechen sind die Netzhaut und Aderhaut stark verdünnt. Das Risiko für eine Netzhautablösung oder degenerative Netzhautveränderung nimmt zu. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko für eine frühere Linsentrübung (Grauer Star) oder einen zu hohen Augendruck (Glaukom).

Kann man die Kurzsichtigkeit beeinflussen oder hemmen?

Ist das Auge länger gewachsen als normal (normale Augenlänge 23,5 mm), so behält es für den Rest des Lebens diese Länge bei. Zur Prävention der Myopie gibt es einige Möglichkeiten, um das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit im Jugendalter zu verringern oder im Idealfall zu hemmen. Das betrifft insbesondere die Altersgruppen zwischen 6 – 15 Jahren, in denen die Myopie am schnellsten fortschreitet. Folge Maßnahmen können Kinder nutzen, um dem Fortschreiten der Myopie-Progression vorzubeugen:

  • Vermehrtes Nutzen von Helligkeit und Tageslicht
  • Lesedauer verkürzen und Pausen einlegen
  • Auf einen Leseabstand von mindestens 30 cm achten
  • Brillenkorrektur (Bifokale und Gleitsichtgläser)
  • Orthokeratologie (spezielle formstabile Kontaktlinsen)
  • Multifokale Kontaktlinse
  • Medikamente (Atropin 0,01%)

Myopie-Prophylaxe durch niedrig dosierte Atropin-Augentropfen

Aktuell ist die Behandlung mit 0,01% Atropin-Augentropfen die sinnvollste Form, um dem Fortschreiten der Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken. Das bestätigt auch der Bundesverband der Augenärzte (BVA) Deutschland und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Der Myopie-Progression mindernde Effekt von Atropin-Augentropfen ist seit über 100 Jahren bekannt. Zwei Metaanalysen und eine groß randomisierte klinische Studie belegen, dass allabendlich getropftes Atropin in niedriger Dosierung von 0,01% das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit signifikant mindert.

Basierend auf den umfangreichen Studien, wird daher empfohlen, Kindern jeden Abend einen Tropfen der Atropin-Lösung in beide Augen zu geben. Der empfohlene Zeitraum für die Therapie liegt aktuell bei 2 Jahre und kann je nach Ergebnis weitergeführt werden.

Sollten Sie Interesse an dieser Therapieform für Ihr Kind haben, sprechen Sie uns gerne an. In unseren Praxen wird die Therapie bereits angewendet. Unser Ärzteteam berät Sie gerne.

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